Mit 6 oder 7 Jahren bekam ich mein erstes Taschengeld. 5 Schilling in der Woche. Bekommen habe ich das Geld immer Montags von meinem Papa. Bei den ersten 5 Schilling war ein kleines Heft dabei in das ich meine Ausgaben einzutragen hatte. Bevor ich Montags dann wiederum meine 5 Schilling bekam wurden die Ausgaben vom Papa kontrolliert und unterschrieben. (!!!) Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, aber ich weiß mit Sicherheit, dass ich auch vor dem regelmäßigem Taschengeld schon mit Geld zu tun gehabt hatte. Mal ein Fünfer von der Oma, mal ein Zehner vom Opa, mal da ein paar Schilling vom Besuch bei einer Nachbarin. Und ich weiß auch mit Sicherheit, dass ich mich nicht getraut hatte mein erstes Taschengeld auszugeben, weil ich nicht kapiert hatte das es mir gehört. Das Geld davor das war ganz klar meines gewesen. Bei dem Geld am Montag Abend, da war mir nicht klar ob es mir gehört oder dem Papa, (wozu sonst diese Heft in blau, kleiner als ein A6 Format wog es schwerer als die größte Verantwortung die ich mir als sechsjähriger jemals vorstellen konnte) oder wem überhaupt und was ich damit machen sollte. Das Geld vor dem ersten Taschengeld das hatte etwas lustvolles, Sicherheit vermittelndes. Ich fühlte mich vermögend auch wenn es nur 2 Schillinge waren. Ich fühlte mich vermögend, nicht weil ich den Wert oder den Wirkradius von 2 Schillingen nicht abschätzen konnte, im Gegenteil genau deshalb fühlte ich mich vermögend, weil ich wußte wie weit ich kam mit 2 Schillingen. Wieviel Kaugummi oder Zuckerl oder sonstwas ich dafür bekam. Ich hatte ein Gefühl wie weit ich gehen konnte mit meinem Geld, wieviel ich vermochte. Mit den 5 Schillingen in der Woche war das anders. Die machten mir Angst. Die waren voller Verantwortung die ich nicht verstand und die mir niemand erklären konnte. Die waren aufgeladen mit Schuld und Versagen und hatten mir meinen Reichtum genommen. Und so hatte ich den Verlust des Wissens:"das gehört mir" in der Tasche.
Dann kaufte ich mir meinen ersten Walkman. Darauf hatte ich lange eisern gespart. 500 Schilling sollte er kosten. Alles was ich damals an Geld bekommen hatte, tat ich in eine Metalldose deren Deckel mit roten Rosen bemalt war. Besonders an die blauen 50 Schilling Banknoten kann ich mich gut erinnern. Das Geld hatte ich Schnell beisammen. Meist am abend hatte ich das Geld gezählt. Hin und wieder borgte ich meiner Mutter Geld. Da wir in einem kleinen Dorf ohne Bank wohnten und meine Mutter keinen Führerschein hat war das wahrscheinlich so einfacher für sie. Als ich mir nun den heiß ersehnten Walkman kaufen wollte, war ich krank geworden.
Ich weiß leider nicht mehr genau warum, aber mein Vater war damals dann in das Elektrogeschäft gegangen und hatte einen Walkman und ein kleines Kofferradio besorgt um es mir zu Hause zu zeigen. Der Walkman in blau, genauso wie ich ihn wollte und der Kofferradio in grau. Mein Vater hat mich dann zu dem Kauf des Kofferradios überredet. Die Vernunft war schnell von den Vorteilen des Kofferradios und den Nachteilen des Walkmans überzeugt, das Herz hatte länger gebraucht das einzusehen.
Das alles fällt mir ein wenn ich die Steuererklärung mache. Wenn ich in Exceldateinen Listen von Einnahmen und Ausgaben führe, dies Online dem Finanzamt bekanntgebe und das Gefühl habe das Geld das ich verdient habe gehört gar nicht wirklich mir.
Muriel tat als wüßte sie von Nichts. Das war typisch für sie. Und ihr häßlicher Gatte hatte nichts zu tun als bei diesem Wetter den Rasen zu mähen. Das trieb sie fast in den Wahnsinn. Allein sie ließ sich nichts anmerken. Jacques und seine Schwester Carine waren sich einig, älter als 18 wollten sie in ihrem Elternhaus nicht werden. (Die Beiden sollten nicht älter als 16 einhalb werden, aber davon wußten sie damals noch nichts.)
Da Muriel beschlossen hatte so zu tun also ob sie von nichts etwas wüßte, musste sie auch auf ihre tägliche Maniküre verzichten, ansonsten wäre alles aufgeflogen. Zuerst hätte der Hund gebellt wie des Wahnsinns fette Beute, dann hätten die Kinder begonnen das Gras das sie zuvor gepflanzt hatten zu fressen und zu guter letzt hätte ihr fetter Gatte Antoine versucht die Mülltonne im Pool zu versenken. Was die Nachbarn getan hätten, daran wollte Muriel gar nicht denken. Auf so ein Theater konnte sie getrost verzichten. Sie biss sich auf die Lippen, in den Unterarm und dann in das weisse Leinen dass sie gerade bestickte. Wobei, das weisse Leinen hatte sie nur etwas abgeleckt, danach wollte sie nicht mehr reinbeissen, es schmeckte nach Kampfer, und jedeR der/die weiss wie Kampfer schmeckt versteht sehr gut dass Muriel von einem Biss in das kampferschmeckende Leinen abstand nahm.
Dann musste sie kotzen, bis nur noch gelbe Gallenflüssigkeit hochkam. Sie kotzte lautlos und mit Hingabe. Das hatte sie von ihrer geliebten Cousine Cecile, die konnte so geräuschlos kotzen das man es nicht einmal bemerkte wenn man neben ihr saß. Dass Cecile an ihrem eigenen Erbrochenen während einer Theatervorstellung von La Cage aux Folles erstickt war, ist wiederrum ein Beweis für die Gier von der die Devillepains geprägt sind, und von der auch Muriel nicht loszukommen scheint. Nun gut. Muriel kotzte geräuschlos, wusch sie sich ihr Antlitz, zog ihr Makeup nach und setzte ihr Allerweltsgesicht auf. Das klemmte zwar ein bisschen aber es passte noch. Gut sie hatte im Gesicht etwas zugenommen aber immerhin für eine 45jährige war es immer noch ein passabler Erfolg, dass ihr Allerweltsgesicht das sie noch aus ihrer Jugendzeit hatte, passte, und sich nicht dicke Pausbacken irgendwo rausquetschten.
Antoine indessen hatte sehr wohl alles mitbekommen. Und als er erkannte dass seine Gattin beschlossen hatte so zu tun als ob sie von nichts etwas wüßte, beschloß auch er sich dieser Laune hinzugeben. Er mähte den Rasen, urinierte auf das Mähwerk das er verspotten wollte und dachte an seine Legosteine die er in seinem Büro in der Avenue du Pape versteckte. Die Legosteine die immer noch mit dem Blut von seinem ersten Nasenbluten vollgedreckt waren und die sich alle geweigert hatten zu waschen. Genau an die dachte er. Grundlos aber nicht minder intensiv.
Beim Abendessen kochen (es gab kongolesisches Räucherhuhn) überlegte Muriel ob sie nicht doch noch mal mit Antoine reden sollte. Immerhin betrifft es ihn genauso wie sie, und nur weil er die längeren Haare hatte, hieß das nicht das er nicht genausoviel Verantwortung übernehmen würde müssen wie sie selbst. Die Auberginen waren schon etwas schimmlig doch das konnte Muriel nicht davon abhalten sie kurz in Essig und Öl einzulegen und sie dann mit Tomatenmark Erdnussbutter und Knoblauch zu rösten. Es stank dermaßen dass sich Muriel nur mit Mühe zurückhalten konnte um nicht abermals in die pfanne zu kotzen, was wahrscheinlich daran lag, dass es nichts mehr zu kotzen gab. Ihr Magen war leer und bis wieder Gallensaft nachproduziert war, würde schon eine Weile vereghen. Sie goß mit dem besten Rotwein auf den sie finden konnte.
Marie, die Zugehfrau hatte frei an diesem ungewöhnlichen und völlig verstörenden Sonntag. Ansonsten, so waren sich die Devillepains sicher und einig, wäre es nie so weit gekommen. Carine hatte vor lauter Gelächter fast ihre Porzellanpuppensammlung fallengelassen und Jacques der sich neuerdings als der Schlauste von Allen hielt kippte den Inhalt des Mülleimers in das Aquarium. Als man ihn danach fragte warum er das getan hatte, meinte er, es sei nie seine Absichte gewesen die zu tun, es sei bloß ein Zufall und er sei im übrigen nicht mehr bereit für die Fische Verantwortung zu übernehmen und überhaupt sei er der letzte im Palais du Devillpains der mit Tieren könne. Auf die Frage warum er dann Biologie studiren wolle, wußte er keine Antwort und ging heulend in sein zimmer und guckte unmotiviert Pornos um sich nicht viel später bei seiner Schwester zu beschweren dass sie ihre Harfenmusik zu laut höre.
Muriel war sich sicher sie hätte nie den großen Fehler machen dürfen und in diese Gegend ziehen sollen, nie nie nie. Sie hätte den schönen Holländer heiraten sollen und mit ihm auf die niederländischen Antillen ziehen sollen, wie er es ihr versprochen hatte. Stattdessen war sie Antoine auf den Leim gegangen. So bezeichnete sie neuerdings die Beziehung mit ihrem Mann. Das Antoine auch nicht glücklich war wusste sie nicht, den Antoine war, und das wußte sie auch nicht, ein viel besserer Geheimniskrämer als irgendjemand sonst in der Familie Devillepains. Und das obwohl er nur ein eingeheirateter Devillpains ist. Hätte Muriel davon erfahren wäre sie wohl sehenden auges ertaubt und hätte Selbstmord geübt (ja geübt, stimmt schon so!) oder wäre in ein Kloster gegangen und hätte mit Inbrunst und Zorn Hostien gestanzt. Allein, sie wusste von all dem nichts.
Das einzige das sich Muriel vor der Hochzeit mit Antoine von ihm hatte schriftlich absichern lasse, war dass sie ihren Familiennamen tragen würden, und das sie im Haus ihrer Urgroßmutter wohnen würden. Auch wenn Antoine somit jährlich mit seiner Allergie gegen Hollunder, Flieder und Kirschblüten konfrontiert war. Antoine war diese Abmachung nur eingeganegn weil sie ihm im Gegenzug, ebenso schriftlich, versicherte, einmal im Jahr mit ihm nach St. Lauraunt de la Salanque zu fahren um dort an dem jährlich stattfindenden OfensetzerInnentreffen teilzunehmen.
Das letzte Treffen war für Muriel das schlimmste Ereignis seit ihrer Firmung gewesen (damals hatte sie das gleiche Kleid wie ihr Großvater getragen, bloß das es ihm besser stand als ihr) es war heiß, es begann zu regnen und die PartnerInnen der OfensetzerInnen waren diesmal ausgesprochen langweilig. Die letzten Jahre war es wenigstens etwas interessant für Muriel, weil sie immer wieder Anne getroffen hatte, die Frau von Charles, der der Vorsitzende der Association de la Charite de OfensetzerInnen war. Mit ihr hatte sie sich blendend verstanden und sich über Kreuzstich, Rumtöpfe, die kongolesische Exilregierung, die Tibetfrage oder einfach über die Hyperprolaktinämie unterhalten können. Dieses Jahr war das Treffen allerdings eines der langweiligsten das sie je erlebt hatte. Daran konnte auch die Abendgestaltung einer korsischen Folkloretanzgruppe und Antoines gute Laune nichts ändern. Ihr war sterbenslangweilig. Und so tat sie was alle Devillepains bei Langeweile seit Jahrhunderten zu tun pflegten, sie malte Blumen. In allen Farben und Formen und Facetten. Ihr Urgroßvater Gustav Horestie Devillepains hatte es immerhin auf die Titelseite eines pariser Kunstmagazins (einem damaligen Ableger des Figaro, dass der verträumte Besitzer der Zeitung seiner debilen Frau geschenkt hatte, längst vergessen das Blatt und in keinem Archiv mehr zu finden) geschafft mit seinen Blumen. Und dass obwohl er Mediziner war. Seine Gattin Valerie Anais eine geborene Dupont hatte mit ihren künstlerischen Ausführungen über die Lilie mehrmals eigene Ausstellungen kuratieren können und war wegen einer Unpässlichkeit allein, nur knapp an einem Platz für eines ihrer Bilder in der Fondation Maegh in St. Paul de Vence gescheitert. Ein Trauma das Catherine, die Großtante von Muriel, zur Unfruchtbarkeit trieb, so ist sich die ganze Familie einig.
Zurück zum Anfang.
Das kongolesische Räucherhuhn war fast fertig und sehr fettig doch es schmeckte durchwachsen. Fast wie Speck wie Jacques später behaupten wird. Antoine grinst als er Muriels Allerweltsgesicht sah, in das er sich damals verliebt hatte. Dass sie es immer noch trug, ab und an, freute ihn. Muriel tat als merkte sie seine Blicke nicht und hoffte niemanden würde auffallen dass sie beschlossen hatte so zu tun als ob sie von nichts etwas wüßte. Alle taten ihr und sich selbst den gefallen.
„Kohlrabi ist auch ein eigenartiges Gemüse. Irgendwie glaub ich fast es ist ein Aussenseiter unter den Gemüsen“ philosophierte Jacques und blickte dabei auf den Kohlrabi als handelte es sich um eine exotische Frucht die er zum ersten mal verspeiste. Wenn er ihn lange genug kaute merkte er, dass es fast ein bisschen nach Erbsen schmeckte, wobei der Grapefruitsaft den er dazu trank ein leichtes Stakato auf seine Geschmacksknopsen zauberte und mit Sicherheit die Reinheit des Gemüsegeschmackes verfälschte.
Da Antoine sich nicht dümmer anstellte als man ihm zu unterstellen geneigt war, musste Muriel alleine mit ihrem Entschluß so zu tun als ob sie von nichts etwas wüßte fertig werden.
Nach dem Abendessen, es war so etwa gegen halb zen (bzw. auch halb zehn), ja die Devillepains essen spät, auch das ist schon seit Jahrhunderten so, sämtliche Mägen der Familie sind im laufe der Jahre auf diese Uhrzeit evolutioniert worden. Auf alle Fälle so gegen halb zen, entschloß sich Muriel doch noch zu einem Gespräch mit Antoine um nicht schlecht zu schlafen und womöglich noch vor lauter schlechtem Gewissen böse Träume in ihrer Seele zu wecken. Allein Antoine war nicht mehr zu einem Gespräch bereit, er war bereits schlafen gegangen. Er schlief mal wieder im Gewächshaus, der einzige Ort im Palais an dem er vor dem Hollunder, dem Flieder und den Kirschen und somit vor sich selbst und seiner Allergie geschützt war.
Nun musste also Muriel mit ihrem Beschluß schlafen gehen nicht wissend, dass die gesamt Familie wußte was sie wußte und nicht wissend dass die gesamte Familie wußte dass sie beschloßen hatte zu schweigen.
Als Marie die Zugehfrau des Nächtens Nachhause kam, und wie es ihre Art war, noch bevor sie ihre Dienstbotenwohnung betrat, durch die herrschaftliche Küche ging um das sonntägliche Chaos das Muriel Devillpains regelmässig veranstaltete zu beseitigen, roch sie schon von weitem den Braten. Sie seufzte, putzte die Küche und rauchte noch eine Gitans und unterhielt sich im stillen mit der verstorbenen Bernadette. der Großmutter der Hausherrin.
Bernadette Jacqueline, die als dreiundzwanzigjährige Prendstaveste einen Holländer geheiratet hatte und dennoch in Frankreich geblieben war, war erfreut über die Unterbrechung ihrer Langeweile und dass sich Marie so häufig ihrer erinnerte. Bernadette, war die Einzige die wusste das Muriel in einen Holländer verliebt gewesen war. Und wahrscheinlich wäre sie auch die einzige gewesen die dieser Mesalliance zugestimmt hätte, sofern man sie gefragt hätte, wenn es zu einer Heirat gekommen wäre. Allein es kam zu keiner solchen und man brauchte sie folglich danach auch nicht zu fragen, wenn schon sie ja ohnehin schon verblichen gewesen wäre. Bernadette Jacqueline wäre auch die einzige gewesen die ebenso beharrlich wie Muriel ihren Prinzipien treu geblieben wäre und keinen Millimeter von ihrem Standpunkt, das Schweigen in dieser Situation das einzig mögliche war um nicht das Gesicht zu verlieren, gewichen wäre. Ja so war sie, die Bernadette. Und so war Muriel. Beide ihren Prinzipien treu, unabhängig, reich, im alter von 45 hübsch und mit einem Mann verheiratet den sie zwar liebte aber nicht ausstehen konnte.
Bernadette Jacqueline war die erste in der Familie von Muriel gewesen die sich entschlossen hatte nicht den Namen ihres Ehemannes anzunehmen, verheiratet zu sein und dennoch bei ihrem Mädchennamen zu bleiben. Sie musste zwar einen Kompromiss eingehen als ihre einzige Tochter Josette 1904 geboren wurde (Muriels Großmutter) und sie Josette van Haacht in das Geburtenregister eintragen ließ. Der Kompromiss war notwendig geworden, da sonst die vermögende Familie ihres Gatten ihre Tochter aus der Erbfolge hätten streichen wollen. Bernadette war zwar der Ansicht dass keine andere Tugend der Standhaftigkeit vorzuziehen war, doch sie war auch der Ansicht dass ihre Tochter nicht unter ihren Entscheidungen später einen Nachteil haben sollte. So ließ sie sich auf diesen Kuhhandel ein, um diesen auch später bei jeder Gelegenheit zu erzählen.
Bernadette war auch die Einzige gewesen die bei Muriels Firmung damals nicht lachte als sie dasselbe Kleid trug wie ihr Großvater. Und das mag etwas heissen. Alle hielten damals zu dem Großvater, der sich im Alter von 50 Jahren entschloßen hatte bei offziellen Anlässen die Kleider seiner verstorbenen Frau zu tragen. Nicht etwa aus einer sexuellen, oder psychischen Betroffenheit heraus, nein, Bernard Horestie Devillepains war zutiefst davon überzeugt, das seine verstorbene und geliebte Frau Simone Marie Devillepains (geborene Delacour) nur durch sein tragen ihrer Kleider in Erinnerung und somit in geistiger Nähe der Familie bleiben könnne. Etwaige versuche ihn für verrückt zu erklären scheiterten an dem Einfluß den er sich als Gemeindearzt von Vichy und Roanne gemacht hatte.
Im Eiter des Geschlechts der Devillepains war es auch gelegen, dass sich niemand ausser Muriel für die Geschichte, die Gegenwart oder die Zukunft der Familie interessierte oder auch nur einen Gedanken daran verschwendete die Familie im Sinne der Sippe zu ehren und zu nutzen.
zwei männer streiten vor einen lokal in der humboldstraße. Zeitgleich (im wahrsten sinne des wortes!!!) mit der ersten körperlichen gewalthandlung (der eine haut dem anderen eine runter) quietschen die reifen und eine zivilstreife bleibt stehen, keine minute später kommen noch zwei andere polzeiwägen mit hunden. nach fünf minuten sind es zwei hunde, 8 polizisten, 5 einsatzwägen, ca. 15 bis 20 lokalgäste, eine anrainerin die sich über die lautstärke beschwert und drei zuschauer. einer davon ich. zwei verhaftungen später (die mit gebrüll der polizisten, mundzuhalten und auf den boden drücken und auf den rücken knien durch die polizisten auf den festzunehmenden männern verlaufen) schütteln sich der zivilpolizist und einer in uniform die hände und freuen sich über die gute zusammenarbeit.
schnelle polizei in linz. sehr langsame polizei in linz wenn es um den mord von Donatus Okafur geht. da ist keine polizei da. der muss sich bis vor die wachstube beim landhaus schleppen bis die polizei auf ihn aufmerksam wird. dort stirbt er an den stichverletzungen.
und Yankuba Ceesay starb in der schubhaft in linz.
die selbe polizei war diesmal aber schnell. sehr schnell sogar.
auch nicht vergessen will ich mein erlebnis vor drei jahren im oktober, als ich um vier uhr nachmittag drei linzer polizisten nach ihrer dienstnummer gefragt habe, nachdem sie einen mann mit den worten:"du dreckiger neger wo hast denn deine papiere" beschimpft hatten. ich hatte daraufhin einen anruf ein mail einen brief an die polizeidirektion linz geschickt. antwort: wir werden der sache nachgehen.
stahlstadtpolizei.
wurde anthony for zwei jahren angeblich von FM4 gefragt bevor er die bühne im semper depot betrat. seine antwort: "I am not gay. okay? I am definitly not gay!"
beste antwort ever. dieses scheiss gay-fuck-wort. zum in die goschn tretn. so wie damals. so auch heute.
habe heute mit dem "training" im fitnessclub begonnen. und da waren sie dann auch schon da die ganzen erinnerungen. eine ganze erinnerungsverwandtschaft war da versammelt. vom opa-erinnerung bis zum urenkerl-erinnerung alle da.
an turnstunden in der hauptschule wurde ich zum beispiel erinnert. und an schwimmen gehen als bub. an jungscharlager und sonstige veranstaltungen wo sich in der "öffentlichkeit" ausziehen, umziehen oder sonstwie den körper absichtlich, bewusst verwenden im zentrum stand. und an das ekelhafte unangenehme gefühl dabei. die angst im nacken. die angst vor allem und jedem. vor dem testosteron der anderen burschen. die angst das das testosteron sich verselbständigt und ganz schlimme sachen passieren. das niemand mehr die viele bubenenergie im griff hat. das es keinen erwachsenen guten mann gibt der dem ein aus machen kann. der einen punkt setzen kann, und nicht selber überwältigt wird. da hab ich mir dann auch gewünscht ein mädchen zu sein. für die war es legitim sich zurück zu ziehen, die waren die geschützten und beschützten der aufsichtspflichtigen. die durften sich einen ausweg suchen um den buben zu entgehen...soweit halt damals meine beobachtungen reichten und dazu willig waren. und die sehnsucht nach dem anderen. nach haut auf haut. nach alleine sein. nach abhauen. nach weglaufen. nach zusammen alleinie sein. nach bande knüpfen und gemeinsam die neutrale mächtige schweiz zu sein. und dann angst vor den männern. vor denen die sich mit blicken festbohrten und mich aussaugten. und vor dem vater der bravo hefte in meiner abwesenheit in meinem zimmer auf meinem bett liegend liest und dann auf den liebe-sex-und-zärtlichkeit-seiten offen liegen lässt. und vieles andere mehr. an sowas erinnere ich mich und mehr wenn ich zum ersten mal in ein fitnessstudio gehe.
und dann die grosse erleichterung: es ist alles ganz anderes. niemand schaut blöd. niemand drängelt. niemand ist testosterongesteuert und nicht herr der lage. alles ist gut. alles hat grenzen. und ich hab grenzen. und die halten mich. alles wird gut.
letzte nacht habe ich im traum sterne gegessen. ich stand zu diesem zweck am balkon und über mir war das himmelszelt. immer wenn ich einen stern essen wollte lag der dann plötzlich in meiner hand. die sterne waren aus zimt und aus kokos und schmeckten fluffy. doch dann ist mir das fbi und das cia draufgekommen, und die haben mich dann verfolgt. von der flucht erschöpft habe ich dann im traum nach fast 10 monaten wieder eine geraucht. und mich nach der halben zigarette furchtbar geschreckt, und mir sorgen gemacht wie ich es blos anstelle, dass s. nix davon erfährt.
prompt wachgeworden und froh gewesen das ich immer noch nichtraucher bin. einen stern hätt ich dennoch gern verspeist.